Ansatz 12

ich gedenke deiner farben
und das fieberlicht des morgens züngelt mintgrün
durch den schlitz deines schwarzen kleides
du preßt deine brüste an die halsschlagader des himmels
gekrönt mit dir selbst und zu wiehern bereit
die 99 stufen bis zum reinsten aller punkte
vieles ist gott und unparteiisch in diesen minuten
da du nackt bist im innern und ohne eile eskalierst
dem leprakranken jahr aus den händen flutscht
ich gedenke deiner farben
und du spannst dein zimtbeiges gähnen zwischen die strassenbahnen
der vergessene tag tummelt sich irgendwo am stadtrand herum
die luft explodiert und die menschen pferchen sich in ihre masken
du bist das prasseln der seide auf dem boden der tatsachen
das grundfleisch mit dem stolz des raumes
schämst dich deiner lavareife und gehst aus jux und dollerei
von 6 bis 9 im heizungskeller auf den strich
weil das keiner so macht
ich gedenke deiner farben
und die schlaflosigkeit errichtet dich wieder
das wasser rauscht zwischen deinen flatternden schenkeln
und schmeckt nach verbrennenden lidern und staubigen blitzen
nach freitagnachmittag und paralleluniversen wo
zwei entlaubte körper mysterien feiern und künftiges tun
in den scharlachroten korridoren der erinnerung
aus wolfsgeheul geschnitzt

Michael Zoch

Veröffentlicht in:  on April 21, 2009 at 8:28 Kommentare (4)
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Nestbeschmutzung

das leise wimmern der
strassenkehrmaschinen nachts
wenn der regen fällt und dein
mädchen im schlaf von wahlheimat spricht
und dem land an der ecke wo keiner bezahlt
der balkan ist weit und du fühlst dich benommen
das wasser im glas schmeckt nach edelmetall
behagen bekämpft mit verruchten gedanken
du zupfst an der decke die ewig dir scheint
und rauchst statt zu staunen dann doch lieber gras
plötzlich die heizung aus heiterem himmel
dein blick auf dem glanzlack betörend real
der graublaue teppich zerschnitten von schneisen
und mitten aufs sofa tahiti gemalt
zählst noch paar krümel riechst kurz am tablett
musik nebenan wie ein blubbernder gruß
natürlich der mond und ausschließlich gerundet
grad jetzt für dein baby
das schonungslos gähnt

Michael Zoch

Veröffentlicht in:  on Februar 12, 2009 at 2:06 Kommentare (4)
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Alle Männer sind Schweine

Auf der höchsten Erkenntnisstufe des Emanzenbewusstseins herrscht bekanntlich die Einsicht, dass alle Männer Schweine sind, weil sie mental einfach nicht aus ihrem Chauvi-Suhlbad rauskommen.
Das wusste schon die gute Circe, als sie Odysseus’ Gefährten flugs mal in Schlachtvieh verwandelte. Doch wie in der alten Sage gelingt es auch hier im Clip mit einer List, den bösen Zauber zu durchbrechen: Die Obersau Odysseus weiß zwar, dass es für eine Romanze nicht reichen wird, aber sein tierischer Instinkt sagt ihm, dass die Frauen andererseits gar nicht so unamüsiert sind und er geht für alle Fälle schon mal Kondome kaufen…

indizierte US-Kondomwerbung „Banned Trojan Condoms Commercial“
(by dirty)

Veröffentlicht in:  on August 23, 2008 at 5:35 Kommentare (2)
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Tanz dich in meine Mitte

Tanz dich in meine Mitte
dreh dich
halt nicht an bis
die Sonnenkugeln
zu fließen
beginnen

Reiß’ meinen Himmel
auf
ein kleines Stück Samt
das tut nicht weh
verwirrt die Wolken
vielleicht

wirbelt Worte weiter
bis wir kreisen
gemeinsam sprühen
im weichen Fluss

Astrid Dornbrach

Veröffentlicht in:  on August 9, 2008 at 12:00 Kommentar schreiben
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Die Sammlerin

Es ist ja nichts Neues oder sonderlich Unanständiges, dass sich manche Frauen Gipsabdrücke der erigierten Schwänze ihrer verflossenen Liebhaber in die Wohnzimmervitrine stellen. Sorgfältig mit Hand beschriftete Namensschilder auf den Marmorsockeln verleihen den Penisbesitzern den Nimbus des Unvergänglichen, einer in Wirklichkeit nie erreichten Härte, und ließen schon so manchen ehemals Geliebten beim späteren gelegentlichen Kaffeeplausch in Rinkas Wohnzimmer wohlig und sehnsüchtig erschauern.
Bei Rinka, meiner alten unerfüllten Jugendliebe, waren diese Erinnerungen noch auf unvergleichliche Weise aufgehübscht. Auf jedem der kalkweißen Teile prangten karmesinrote Abdrücke ihrer sinnlich halbgeöffneten Lippen, auf manchem nur einer, auf manchem zwei, aber nie mehr als vier, je nachdem, wie oft ihr der Sinn nach dem Verzehr gestanden hatte.
Die Penisse, etwa 80 an der Zahl, standen wie die Soldaten des Kaisers von China mit weichem Licht ausgeleuchtet in einem Glasschränkchen auf zwei Regalebenen; in der unteren Reihe die 16er und länger, oben die Kürzeren. Das waren allerdings nicht so viele, denn Rinka war anspruchsvoll und erkannte meist schon auf den ersten Blick, was gut in sie passte. Deshalb war auf dem oberen Regal noch ein Eckchen frei für ein paar ziemlich dicke, aber maximal 12er-Stumpen, die keine Lippenabdrücke aufwiesen. „Ach, so weit hab ich damals meinen Mund gar nicht aufgebracht“, erklärte mir Rinka einmal augenzwinkernd auf meine diesbezügliche Frage, „und auf das Andere hatt’ ich dann schon gar keine Lust mehr.“ Jetzt, ja jetzt wäre das schon was Anderes, meinte sie neulich scherzhaft, da tät so ein Stumpen gelegentlich schon passen.
Dabei wusste sie doch genau, dass sie sich auch jetzt noch meiner bedienen könnte, ich war ja noch gar nicht in der Sammlung. „Ne ne, lass man stecken!“, winkte sie dann jedesmal ab, wenn sie meinen lustvollen Unruheblick bemerkte, „mit dir mag ich’s einfach nur platonisch, du bist so ein wunderbarer kluger Kopf.“ Na ja, klug war der vielleicht schon, aber halt nicht gerade besonders ansehnlich mit seiner schmalen, länglichen Schädelform.
So vergingen die Jahre zwischen uns geistreich plaudernd und kaffeetrinkend, und Rinkas Sammlung wuchs von Jahr zu Jahr langsamer, bis ich schließlich gar keine Neuzugänge mehr feststellen konnte. Wir sprachen zwar das Thema nicht an, aber ich sah in ihren Augen noch manchmal den Widerschein früherer Glut, wenn sie die Lesebrille abnahm und sich eine graue Strähne aus der Stirn strich.
Eines Abends, ich hatte ihr wie üblich einen seit unseren jugendlichen Bergsteigertagen so geliebten Strauß Edelweiß mitgebracht, bat sie mich mit einem verschmitzten Mädchenlächeln in die Küche. Es roch nicht wie sonst nach Kaffee, eher staubig, und Kerzen brannten in feierlicher Aufstellung auf dem Gewürzboard, dem Kühlschrank, dem Fenstersims und dem Küchentisch, in dessen Mitte ihre kostbare  Porzellanschüssel stand, fast bis zum Rand gefüllt mit einer grauen glibbrigen Masse.
Rinka führte mich heran, nahm mir mit einem zärtlich gehauchten „Hey Du!“ die Brille ab, drückte mich in einen Stuhl und begann behutsam, mit der Sorgfalt einer Frau, die weiß was sie will, meinen glatzköpfigen Langschädel mit Gipsbinden einzuwickeln.

dirty

Du

‘Spoken Poetry’ mal anders: Die erotisch-frivole Anmache „Du“ des Schweizer Lyrikers Hans-Ulrich Kaufmann, hier im voicing von ‘wf’, vertont als Slow-Funk-Rap mit 70er-Originalinstrumenten von ‘Dirty Fingers’

Den Text (auch zum Mitschmusen ;-) ) findet ihr hier in den „Schnipseln“ und mehr Lyrikvertonungen sowie allerheiteren Jazz&Rock von ‘wf’ findet ihr bei „Dirty Fingers“

Hans-Ulrich Kaufmann/ wf

Veröffentlicht in:  on Juni 26, 2008 at 12:10 Kommentare (1)
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Wann

Mal ehrlich

Wann hast du wirklich gelebt? Ich meine richtig gelebt, mit jeder Faser gelebt?

Wann hast du dich richtig gespürt und gefühlt, und wann hast du gelitten? Nicht nur ein wenig gelitten, ich meine gebebt und gekrampft, hast getanzt auf der Schneide zwischen Himmel und Hölle?

Wann hast du dich gefreut, ich meine richtig gefreut, hast das Glück an den Hörnern gepackt und dich von ihm in die Höhe werfen lassen?

Wann lagst du alleine in deinem viel zu großen Bett, hast gezittert wie Espenlaub und dich nicht getraut zu schlafen, weil du das Telefon möglicherweise überhört hättest? Hast geschwitzt und gefroren, lagst wie ein Fötus gekauert, während dein Magen langsam aber unaufhaltsam zerfressen wurde vom Gift des Wartens?

Wie oft hast du dabei das Ende der Nabelschnur geprüft, hast den Stecker gezogen und wieder eingesteckt, hast den Hörer abgenommen, das Tuten vernommen und schnell wieder aufgelegt und warst dennoch unglücklich, weil du damit für drei lange Sekunden die Leitung besetzt hieltest?

Wann bist du zuletzt gehüpft auf und von diesen glitschigen Wolken aus Zimtzuckerwatte, so wie man im halb ausgetrockneten Flussbett von einem Stein zum anderen springt?

Wann hast du gestrahlt, bis hinter deine kleinen Ohrläppchen gestrahlt und wann hattest du zuletzt dieses Lachen, das alle Sorgen schneidet wie ein heißes Messer die Butter teilt?

Wann warst du das letzte Mal elektrisiert, weil du in fremde Haare gegriffen hattest, dabei das Gefühl, als würdest du jedes einzelne streicheln, als würde deine Hand von jedem einzelnen Haar liebkost.

Wann hast du zum letzten Mal mehr in als vor dem Spiegel gestanden, hast der Liebe deine Liebe gestanden und wann warst du vor dir und ihr wirklich nackt?

Kurz:

Wann warst du wirklich im Krater der Liebe?

Erich Meier

Veröffentlicht in:  on Mai 16, 2008 at 1:01 Kommentare (2)
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Querum

die sonne zerplatzte
hochwohlgeboren
am tischbein entlang
schlüpferblau mein schachtelhirn
linsen auf vertuschte schenkel
formel 1 der illusionen
klick und klack und unausweichlich
du in schall und rauch gehauen
kommt der sache näher
das erste mal im dritten versuch
leitung gekappt
ins bewußtsein der welle
born again als flügelzange
purpurpopo viel zu breit
bunkerbrechend safranaugen
afghane schwarz zu krabbenbrötchen
aus dem off zwei quetschkommoden
januar seit neunzehn jahren
teelicht flackert immer noch

Michael Zoch

Veröffentlicht in:  on April 28, 2008 at 12:54 Kommentar schreiben
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