Goldgräberstimmung

die straße mit dem loch im socken
der geruch aus dem innern nostalgischer schränke
ein haarriss im abspann des blutleeren raums
ich bin der mit dem schienbein
fünfzigtausend küsse tief
in deine kugelsichere nacktheit vergraben
du bist das mädchen von der datumsgrenze
und tropfst entrümpelt in die stille
auf der dunklen seite des liedes
wir sind das volt
der brandfleck im schlitzohr des heiligen geistes
und was uns lockt am ewigen nichts ist der folgende tag
freundlich wie eine handgranate
auf der stirnseite des hochgekrempelten universums
(mit dem knochenmark gedacht)

Michael Zoch

Published in: on April 27, 2011 at 10:57  Comments (3)  
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Ansatz 12

ich gedenke deiner farben
und das gegenlicht des morgens züngelt mintgrün
durch den schlitz deines schwarzen kleides
du preßt deine brüste an die halsschlagader des himmels
gekrönt mit dir selbst und zu wiehern bereit
die 99 stufen bis zum reinsten aller punkte
vieles ist gott und unparteiisch in diesen minuten
da du nackt bist im innern und ohne eile eskalierst
dem leprakranken jahr aus den händen flutscht
ich gedenke deiner farben
und du spannst dein zimtbeiges gähnen zwischen die strassenbahnen
der vergessene tag tummelt sich irgendwo am stadtrand herum
die luft explodiert und die menschen pferchen sich in ihre masken
du bist das prasseln der seide auf dem boden der tatsachen
das grundfleisch mit dem stolz des raumes
schämst dich deiner lavareife und gehst aus jux und dollerei
von 6 bis 9 im heizungskeller auf den strich
weil das keiner so macht
ich gedenke deiner farben
und die schlaflosigkeit errichtet dich wieder
das wasser rauscht zwischen deinen flatternden schenkeln
und schmeckt nach verbrennenden lidern und staubigen blitzen
nach freitagnachmittag und paralleluniversen wo
zwei entlaubte körper mysterien feiern und künftiges tun
in den scharlachroten korridoren der erinnerung
aus wolfsgeheul geschnitzt

Michael Zoch

Published in: on April 21, 2009 at 8:28  Comments (18)  
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Wann

Mal ehrlich

Wann hast du wirklich gelebt? Ich meine richtig gelebt, mit jeder Faser gelebt?

Wann hast du dich richtig gespürt und gefühlt, und wann hast du gelitten? Nicht nur ein wenig gelitten, ich meine gebebt und gekrampft, hast getanzt auf der Schneide zwischen Himmel und Hölle?

Wann hast du dich gefreut, ich meine richtig gefreut, hast das Glück an den Hörnern gepackt und dich von ihm in die Höhe werfen lassen?

Wann lagst du alleine in deinem viel zu großen Bett, hast gezittert wie Espenlaub und dich nicht getraut zu schlafen, weil du das Telefon möglicherweise überhört hättest? Hast geschwitzt und gefroren, lagst wie ein Fötus gekauert, während dein Magen langsam aber unaufhaltsam zerfressen wurde vom Gift des Wartens?

Wie oft hast du dabei das Ende der Nabelschnur geprüft, hast den Stecker gezogen und wieder eingesteckt, hast den Hörer abgenommen, das Tuten vernommen und schnell wieder aufgelegt und warst dennoch unglücklich, weil du damit für drei lange Sekunden die Leitung besetzt hieltest?

Wann bist du zuletzt gehüpft auf und von diesen glitschigen Wolken aus Zimtzuckerwatte, so wie man im halb ausgetrockneten Flussbett von einem Stein zum anderen springt?

Wann hast du gestrahlt, bis hinter deine kleinen Ohrläppchen gestrahlt und wann hattest du zuletzt dieses Lachen, das alle Sorgen schneidet wie ein heißes Messer die Butter teilt?

Wann warst du das letzte Mal elektrisiert, weil du in fremde Haare gegriffen hattest, dabei das Gefühl, als würdest du jedes einzelne streicheln, als würde deine Hand von jedem einzelnen Haar liebkost.

Wann hast du zum letzten Mal mehr in als vor dem Spiegel gestanden, hast der Liebe deine Liebe gestanden und wann warst du vor dir und ihr wirklich nackt?

Kurz:

Wann warst du wirklich im Krater der Liebe?

Erich Meier

Published in: on Mai 16, 2008 at 1:01  Comments (2)  
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Passion

ich holte dich ab wo gebirge zerbrechen
wir schwiegen von sklaven auf sinkenden archen
du sintflut ich lautloses töneempfangen
entfesselt im einbaum aus flüssigem chrom
ich holte dich ab wo banditen verrecken
wir krächzten benommen in uralten sprachen
die lenden durchforstend nach schlüssigen chiffren
fragend nicht geier noch würmer um rat
ich holte dich ab wo gesichter verhallen
wir sprangen auf bühnen in löchrigen laken
tumult unsre gesten zerfleddert die stimme
wie rümpfe verrostet in salziger see
ich holte dich ab wo hyänen verharren
wir saßen auf kisten in schlingernden barken
gestalt jedes sandkorn basalt unsre droge
asbest deine lippen zermalmend den tag
ich holte dich ab wo gebete zerschellen
wir tauchten durch brecher in kosmischen farben
die zähne im anschlag berauscht von spagaten
geworfen vom schöpfer in wogendes stroh

Michael Zoch

Published in: on Januar 5, 2008 at 3:35  Schreibe einen Kommentar  
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Belle Amie

liebe flüssig fallend
tanz auf flügeln gold vergiftet
alle vögel angemalt
in fünfzehntausend himmelsfarben
spur im eis verdammter götter
wolfsgeheul im unterholz
der ausgebrannten riesenstadt
herz schlägt stramm
im sechsteltakt
marina garden (of delight)
zahnschmelz schenk
zum trotz ich dir
und nochmals hundert peitschenhiebe
auf die wunderwunde züngelzunge

Michael Zoch

Published in: on Dezember 5, 2007 at 1:20  Comments (2)  
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Was wir waren

zeichensprache allenthalben
rückgrat künstlich aufgeschäumt
leuchtraketen wissenbisse
eckzahn am lagunensaum
wir wie strandgut
windgefiedert
wildbrett jeder
wort für wort
sperrgebiete tintenfässer
aufgefüllt mit zeugungswut
binsenweisheit steroide
anabol ins hier gespritzt
warzenschweine segeltücher
zwei in eins durch fünf geteilt
leuchtturmwärter gischtgestalten
wasser tropft auf gänsehaut
trunkenbolde zungenfischer
leberflecken glatt geleckt
zwischenräume untermengen
zirkel du und ich dein kreis

Michael Zoch

Published in: on November 29, 2007 at 5:52  Schreibe einen Kommentar  
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Was wir sind

tigerpranken licht gerissen
wonneschrei im jägermaul
adlerblicke felsenfest
am leibesufer aufgebaut
wir wie städte
zwischen welten
randbezirke glyzerin
fadenkreuze auf äonen
zwei im schafspelz
selbstverknotet
jeder schritt ein wiegenlied
bauernopfer mondgeburten
eins macht zwei monopoly
streichholzpackung reibungshitze
lunte riecht nach waschbenzin
ackergäule roggenfelder
wintergärten umgepflügt
morgenröte nesselfieber
treibsand du und ich dein sieb

Michael Zoch

Published in: on November 20, 2007 at 4:58  Schreibe einen Kommentar  
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