Zitroneneis

die allerletzte Hitzewelle
hatte sich in den Oktober verirrt
Frauenhaut die mit Herbstlaub harmonierte
eilige Rennräder auf der Flucht
vor dem früheren Abend
sogar eine Sonnenbrille war noch chic
und stöckelte erhaben an uns vorüber
und wir machten die Äuglein klein
im grellen Licht der Erkenntnis
und ich kaufte uns Zitroneneis
du sagtest lächelnd
da schmeckte sie dass es gut war
und wir lachten uns schief und glückselig

Karsten Paul

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Published in: on Oktober 21, 2012 at 10:43  Schreibe einen Kommentar  
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Tiden-Pantum

Wie Salz das gerne Wasser zieht
Sitzt du ganz dicht vor mir
Dein Mund mein Forschungsschutzgebiet
Schon schmecke ich nach dir

Sitzt du ganz dicht vor mir
Dann denke ich ans Meer
Schon schmecke ich nach dir
Trink mich aus mach mich leer

Dann denke ich ans Meer
Sei Schaum der meine Lippen netzt
Trink mich aus mach mich leer
Die Zungen schon so abgewetzt

Sei Schaum der meine Lippen netzt
Dein Mund mein Forschungsschutzgebiet
Die Zungen schon so abgewetzt
Im Salz das gerne Wasser zieht.

Jörg Wiedemann

Published in: on März 16, 2012 at 6:54  Comments (4)  
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Du

‚Spoken Poetry‘ mal anders: Die erotisch-frivole Anmache „Du“ des Schweizer Lyrikers Hans-Ulrich Kaufmann, hier im voicing von ‚wf‘, vertont als Slow-Funk-Rap mit 70er-Originalinstrumenten von ‚Dirty Fingers‘

Hans-Ulrich Kaufmann/ wf

Published in: on Juni 26, 2008 at 12:10  Comments (2)  
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ich wollte von liebe sprechen

du sprichst von modellen,
von ängsten, von zeit
ich wollte von liebe sprechen;
gedruckt sehen worte hungrig aus
wie geifernde welpen an zitzen;
die schmatzen zu sätzen,
sentenzen sich satt,
die drehen sich nicht um;
der magen leer, die worte auch
ich bleib auf der liebe sitzen

Karolin Hingerle

Published in: on Januar 25, 2008 at 12:30  Schreibe einen Kommentar  
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Passion

ich holte dich ab wo gebirge zerbrechen
wir schwiegen von sklaven auf sinkenden archen
du sintflut ich lautloses töneempfangen
entfesselt im einbaum aus flüssigem chrom
ich holte dich ab wo banditen verrecken
wir krächzten benommen in uralten sprachen
die lenden durchforstend nach schlüssigen chiffren
fragend nicht geier noch würmer um rat
ich holte dich ab wo gesichter verhallen
wir sprangen auf bühnen in löchrigen laken
tumult unsre gesten zerfleddert die stimme
wie rümpfe verrostet in salziger see
ich holte dich ab wo hyänen verharren
wir saßen auf kisten in schlingernden barken
gestalt jedes sandkorn basalt unsre droge
asbest deine lippen zermalmend den tag
ich holte dich ab wo gebete zerschellen
wir tauchten durch brecher in kosmischen farben
die zähne im anschlag berauscht von spagaten
geworfen vom schöpfer in wogendes stroh

Michael Zoch

Published in: on Januar 5, 2008 at 3:35  Schreibe einen Kommentar  
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einzelregister

ich registriere mich
fragend
mit einem glas rotwein
in der hand
ich ordne mich ein
in schwarzweiße
gesellschaften
ich registriere dich
lachend
mit einem glas rotwein
in der hand
ich höre mich schweigen
wenn du mir ins ohr
raunst:
ich liebe dich
und das weinglas
in richtung ober
schwenkst
auf dass er es
nachfülle
wirklich
zum letzten mal

Marina Bartolovic

Published in: on Dezember 26, 2007 at 8:31  Schreibe einen Kommentar  
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ausbrechen

Mein müder Gang im Rund der Stäbe
jäh unterbrochen an der offenen Tür;
der Panther in mir knurrt: ich lebe
noch! – im Sprung verblasst
das Bild von dir

wf

Published in: on Dezember 4, 2007 at 1:24  Comments (1)  
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ins inmich ziehst du ein

ins inmich ziehst du ein
bezahlst mit deiner lust
schlägst nägel taub
in meine wand –
deine bilder hängen

Karolin Hingerle

Published in: on November 24, 2007 at 6:33  Schreibe einen Kommentar  
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