Tiden-Pantum

Wie Salz das gerne Wasser zieht
Sitzt du ganz dicht vor mir
Dein Mund mein Forschungsschutzgebiet
Schon schmecke ich nach dir

Sitzt du ganz dicht vor mir
Dann denke ich ans Meer
Schon schmecke ich nach dir
Trink mich aus mach mich leer

Dann denke ich ans Meer
Sei Schaum der meine Lippen netzt
Trink mich aus mach mich leer
Die Zungen schon so abgewetzt

Sei Schaum der meine Lippen netzt
Dein Mund mein Forschungsschutzgebiet
Die Zungen schon so abgewetzt
Im Salz das gerne Wasser zieht.

Jörg Wiedemann

Published in: on März 16, 2012 at 6:54  Comments (4)  
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Ansatz 12

ich gedenke deiner farben
und das gegenlicht des morgens züngelt mintgrün
durch den schlitz deines schwarzen kleides
du preßt deine brüste an die halsschlagader des himmels
gekrönt mit dir selbst und zu wiehern bereit
die 99 stufen bis zum reinsten aller punkte
vieles ist gott und unparteiisch in diesen minuten
da du nackt bist im innern und ohne eile eskalierst
dem leprakranken jahr aus den händen flutscht
ich gedenke deiner farben
und du spannst dein zimtbeiges gähnen zwischen die strassenbahnen
der vergessene tag tummelt sich irgendwo am stadtrand herum
die luft explodiert und die menschen pferchen sich in ihre masken
du bist das prasseln der seide auf dem boden der tatsachen
das grundfleisch mit dem stolz des raumes
schämst dich deiner lavareife und gehst aus jux und dollerei
von 6 bis 9 im heizungskeller auf den strich
weil das keiner so macht
ich gedenke deiner farben
und die schlaflosigkeit errichtet dich wieder
das wasser rauscht zwischen deinen flatternden schenkeln
und schmeckt nach verbrennenden lidern und staubigen blitzen
nach freitagnachmittag und paralleluniversen wo
zwei entlaubte körper mysterien feiern und künftiges tun
in den scharlachroten korridoren der erinnerung
aus wolfsgeheul geschnitzt

Michael Zoch

Published in: on April 21, 2009 at 8:28  Comments (18)  
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Wann

Mal ehrlich

Wann hast du wirklich gelebt? Ich meine richtig gelebt, mit jeder Faser gelebt?

Wann hast du dich richtig gespürt und gefühlt, und wann hast du gelitten? Nicht nur ein wenig gelitten, ich meine gebebt und gekrampft, hast getanzt auf der Schneide zwischen Himmel und Hölle?

Wann hast du dich gefreut, ich meine richtig gefreut, hast das Glück an den Hörnern gepackt und dich von ihm in die Höhe werfen lassen?

Wann lagst du alleine in deinem viel zu großen Bett, hast gezittert wie Espenlaub und dich nicht getraut zu schlafen, weil du das Telefon möglicherweise überhört hättest? Hast geschwitzt und gefroren, lagst wie ein Fötus gekauert, während dein Magen langsam aber unaufhaltsam zerfressen wurde vom Gift des Wartens?

Wie oft hast du dabei das Ende der Nabelschnur geprüft, hast den Stecker gezogen und wieder eingesteckt, hast den Hörer abgenommen, das Tuten vernommen und schnell wieder aufgelegt und warst dennoch unglücklich, weil du damit für drei lange Sekunden die Leitung besetzt hieltest?

Wann bist du zuletzt gehüpft auf und von diesen glitschigen Wolken aus Zimtzuckerwatte, so wie man im halb ausgetrockneten Flussbett von einem Stein zum anderen springt?

Wann hast du gestrahlt, bis hinter deine kleinen Ohrläppchen gestrahlt und wann hattest du zuletzt dieses Lachen, das alle Sorgen schneidet wie ein heißes Messer die Butter teilt?

Wann warst du das letzte Mal elektrisiert, weil du in fremde Haare gegriffen hattest, dabei das Gefühl, als würdest du jedes einzelne streicheln, als würde deine Hand von jedem einzelnen Haar liebkost.

Wann hast du zum letzten Mal mehr in als vor dem Spiegel gestanden, hast der Liebe deine Liebe gestanden und wann warst du vor dir und ihr wirklich nackt?

Kurz:

Wann warst du wirklich im Krater der Liebe?

Erich Meier

Published in: on Mai 16, 2008 at 1:01  Comments (2)  
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harte kissen

kissen wie wellblechdächer
in die der schlaf abrutscht
mit eiskaltem regenwasser
gemischt; am wintermorgen
spülen sich wilde träume
über regenrinnen an stirnen
hinfort; angefressen von
wodka gin und
schwerem bordeaux
kamen rapid eye movements
aus dem takt; eben doch
noch mit nem typen in
adidaspulli geknutscht!
dunkle locken
unbekannt jetzt; beim lüften
das gesicht verloren
schlicht entwichen
aus der besenkammer
hinter augenlidern; hart
aufgeschlagen auf
wellblechkissen und
zu bruch gegangen –
shit; schon wieder

Marina Bartolovic

Published in: on Januar 8, 2008 at 1:10  Schreibe einen Kommentar  
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Passion

ich holte dich ab wo gebirge zerbrechen
wir schwiegen von sklaven auf sinkenden archen
du sintflut ich lautloses töneempfangen
entfesselt im einbaum aus flüssigem chrom
ich holte dich ab wo banditen verrecken
wir krächzten benommen in uralten sprachen
die lenden durchforstend nach schlüssigen chiffren
fragend nicht geier noch würmer um rat
ich holte dich ab wo gesichter verhallen
wir sprangen auf bühnen in löchrigen laken
tumult unsre gesten zerfleddert die stimme
wie rümpfe verrostet in salziger see
ich holte dich ab wo hyänen verharren
wir saßen auf kisten in schlingernden barken
gestalt jedes sandkorn basalt unsre droge
asbest deine lippen zermalmend den tag
ich holte dich ab wo gebete zerschellen
wir tauchten durch brecher in kosmischen farben
die zähne im anschlag berauscht von spagaten
geworfen vom schöpfer in wogendes stroh

Michael Zoch

Published in: on Januar 5, 2008 at 3:35  Schreibe einen Kommentar  
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Miniatur 26

Flackerndes Weiß in den Augen, die Mädchen ohne Brüste und Hüften machen die Beine breit und wir eine Reise.

Wie Touristen gehen wir am Abgrund entlang und machen Bemerkungen über die Tiefe.

Zur Ruhe legen wir die Köpfe in den Schoß der Frauen, der Rippenbogen spannt sich wie der Himmel über dem Bett.

Bunt sind die Pillen und leicht das Pulver, steigt auf und legt sich auf die Lider wie Staub.

Der Sandmann geht um und legt uns schlafen, er singt ein Lied mit Mutters Stimme.

Hoch wogt die Nacht.

Cornelia Travnicek

Published in: on Dezember 14, 2007 at 2:48  Comments (1)  
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Belle Amie

liebe flüssig fallend
tanz auf flügeln gold vergiftet
alle vögel angemalt
in fünfzehntausend himmelsfarben
spur im eis verdammter götter
wolfsgeheul im unterholz
der ausgebrannten riesenstadt
herz schlägt stramm
im sechsteltakt
marina garden (of delight)
zahnschmelz schenk
zum trotz ich dir
und nochmals hundert peitschenhiebe
auf die wunderwunde züngelzunge

Michael Zoch

Published in: on Dezember 5, 2007 at 1:20  Comments (2)  
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Was wir waren

zeichensprache allenthalben
rückgrat künstlich aufgeschäumt
leuchtraketen wissenbisse
eckzahn am lagunensaum
wir wie strandgut
windgefiedert
wildbrett jeder
wort für wort
sperrgebiete tintenfässer
aufgefüllt mit zeugungswut
binsenweisheit steroide
anabol ins hier gespritzt
warzenschweine segeltücher
zwei in eins durch fünf geteilt
leuchtturmwärter gischtgestalten
wasser tropft auf gänsehaut
trunkenbolde zungenfischer
leberflecken glatt geleckt
zwischenräume untermengen
zirkel du und ich dein kreis

Michael Zoch

Published in: on November 29, 2007 at 5:52  Schreibe einen Kommentar  
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