Was wir sind

tigerpranken licht gerissen
wonneschrei im jägermaul
adlerblicke felsenfest
am leibesufer aufgebaut
wir wie städte
zwischen welten
randbezirke glyzerin
fadenkreuze auf äonen
zwei im schafspelz
selbstverknotet
jeder schritt ein wiegenlied
bauernopfer mondgeburten
eins macht zwei monopoly
streichholzpackung reibungshitze
lunte riecht nach waschbenzin
ackergäule roggenfelder
wintergärten umgepflügt
morgenröte nesselfieber
treibsand du und ich dein sieb

Michael Zoch

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Published in: on November 20, 2007 at 4:58  Schreibe einen Kommentar  
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Rote Libelle

himmelfahrtskommando
zu den fernsten deiner schleusen
zertrümmert alle rechenschieber
aphrodites kleine schwester
badend wohldosierte schatten
blau ihre seele von epo und bols
wellenbrecher erdenschwere
kapriolen quietschvergnügte
anberaumt zum zeitvertreib
libelle rot im schützengraben
flüche zwischen schwarz und weiß
initialen buntgemischte
wieder mal umsonst gebrannt
blitzfleisch in gerahmten händen
zwischenraum gefüllt mit fragen
nach den grenzen der physik

Michael Zoch

Published in: on Oktober 22, 2007 at 3:04  Schreibe einen Kommentar  
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Au Vieux Port

Dem Leibhaftigen ein Schnippchen schlagen. Nicht mehr mit ihm gemeinsame Sache machen, lachend die Zähne blecken und sich langsam wegdrehen.

Seinen kalten Hass im Nacken spüren und schreiten, erhobenen Kopfes, die von Wühlarbeit schrundigen Hände in den Taschen und dem Antlitz eines Grande.

Fröhlich Le Temps de Cerises trällern, an Apollinaire denken und an die Tage im Mai.

Der ausgemergelten Hirnhure Rosen schenken, jede Falte damit bedecken und ihre glücklichen Augen sehen beim Anblick der Freier, die wieder um sie buhlen.

Einen Diabolo Menthe zum Gruß erheben, während der Mistral die Röcke über die Canebière in sein Azur zieht.

Aus einer Wonne trinken und Liebe leben, Symphonien lauschen und dem pendelnden Schoß Millionen von Leben in die Wiege legen.

Erich Meier

Published in: on Oktober 18, 2007 at 5:28  Schreibe einen Kommentar  
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