Hope that I don’t fall in love with you

Ja, ich weiß, auch deine Geschichte der Liebe ist eine Geschichte der vertanen, vorbeigezogenen Chancen. Wie oft hast du es nicht geschafft, IHR so nahe zu kommen, dass du deinen Rauch-Kringel durch den IHREN hauchen konntest? Wie oft war SIE schon aus dem Raum, als du dich wieder zu IHR hinübersehen trautest? Wieviele Drinks hast du gebraucht um zu verstehen, dass du SIE in diesem flüchtigen Augenblick, in dem alle Ewigkeit hindurchscheint, geliebt hast?

Und wie oft hast du schon diesen Song für SIE gesungen?

Music & Lyrics: Tom Waits – gesungen von WF

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Published in: on Januar 10, 2015 at 4:03  Schreibe einen Kommentar  
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Alle Männer sind Schweine

Auf der höchsten Erkenntnisstufe des Emanzenbewusstseins herrscht bekanntlich die Einsicht, dass alle Männer Schweine sind, weil sie mental einfach nicht aus ihrem Chauvi-Suhlbad rauskommen.
Das wusste schon die gute Circe, als sie Odysseus‘ Gefährten flugs mal in Schlachtvieh verwandelte. Doch wie in der alten Sage gelingt es auch hier im Clip mit einer List, den bösen Zauber zu durchbrechen: Die Obersau Odysseus weiß zwar, dass es für eine Romanze nicht reichen wird, aber sein tierischer Instinkt sagt ihm, dass die Frauen andererseits gar nicht so unamüsiert sind und er geht für alle Fälle schon mal Kondome kaufen…

indizierte US-Kondomwerbung „Banned Trojan Condoms Commercial“
(by dirty)

Published in: on August 23, 2008 at 5:35  Comments (2)  
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Die Sammlerin

Es ist ja nichts Neues oder sonderlich Unanständiges, dass sich manche Frauen Gipsabdrücke der erigierten Schwänze ihrer verflossenen Liebhaber in die Wohnzimmervitrine stellen. Sorgfältig mit Hand beschriftete Namensschilder auf den Marmorsockeln verleihen den Penisbesitzern den Nimbus des Unvergänglichen, einer in Wirklichkeit nie erreichten Härte, und ließen schon so manchen ehemals Geliebten beim späteren gelegentlichen Kaffeeplausch in Rinkas Wohnzimmer wohlig und sehnsüchtig erschauern.
Bei Rinka, meiner alten unerfüllten Jugendliebe, waren diese Erinnerungsstücke noch auf unvergleichliche Weise aufgehübscht. Auf jedem der kalkweißen Teile prangten karmesinrote Abdrücke ihrer sinnlich halbgeöffneten Lippen, auf manchem nur einer, auf manchem zwei, aber nie mehr als vier, je nachdem, wie oft ihr der Sinn nach dem Verzehr gestanden hatte.
Die Penisse, etwa 80 an der Zahl, standen wie die Soldaten des Kaisers von China mit weichem Licht ausgeleuchtet in einem Glasschränkchen auf zwei Regalebenen; in der unteren Reihe die 16er und länger, oben die Kürzeren. Das waren allerdings nicht so viele, denn Rinka war anspruchsvoll und erkannte meist schon auf den ersten Blick, was gut in sie passte. Deshalb war auf dem oberen Regal noch ein Eckchen frei für ein paar ziemlich dicke, aber maximal 12er-Stumpen, die keine Lippenabdrücke aufwiesen. „Ach, so weit hab ich damals meinen Mund gar nicht aufgebracht“, erklärte mir Rinka einmal augenzwinkernd auf meine diesbezügliche Frage, „und auf das Andere hatt‘ ich dann schon gar keine Lust mehr.“ Jetzt, ja jetzt wäre das schon was Anderes, meinte sie neulich scherzhaft, da tät so ein Stumpen gelegentlich schon passen.
Dabei wusste sie doch genau, dass sie sich auch jetzt noch meiner bedienen könnte, ich war ja noch gar nicht in der Sammlung. „Ne ne, lass man stecken!“, winkte sie dann jedesmal ab, wenn sie meinen lustvollen Unruheblick bemerkte, „mit dir mag ich’s einfach nur platonisch, du bist so ein wunderbarer kluger Kopf.“ Na ja, klug war der vielleicht schon, aber halt nicht gerade besonders ansehnlich mit seiner schmalen, länglichen Schädelform.
So vergingen die Jahre zwischen uns geistreich plaudernd und kaffeetrinkend, und Rinkas Sammlung wuchs von Jahr zu Jahr langsamer, bis ich schließlich gar keine Neuzugänge mehr feststellen konnte. Wir sprachen zwar das Thema nicht an, aber ich sah in ihren Augen noch manchmal den Widerschein früherer Glut, wenn sie die Lesebrille abnahm und sich eine graue Strähne aus der Stirn strich.
Eines Abends, ich hatte ihr wie üblich einen seit unseren jugendlichen Bergsteigertagen so geliebten Strauß Edelweiß mitgebracht, bat sie mich mit einem verschmitzten Mädchenlächeln in die Küche. Es roch nicht wie sonst nach Kaffee, eher staubig, und Kerzen brannten in feierlicher Aufstellung auf dem Gewürzboard, dem Kühlschrank, dem Fenstersims und dem Küchentisch, in dessen Mitte ihre kostbare  Porzellanschüssel stand, fast bis zum Rand gefüllt mit einer grauen glibbrigen Masse.
Rinka führte mich heran, nahm mir mit einem zärtlich gehauchten „Hey Du!“ die Brille ab, drückte mich in einen Stuhl und begann behutsam, mit der Sorgfalt einer Frau, die weiß was sie will, meinen glatzköpfigen Langschädel mit Gipsbinden einzuwickeln.

wf

– auch im ebook „Von Küssen & Musen“

Du

‚Spoken Poetry‘ mal anders: Die erotisch-frivole Anmache „Du“ des Schweizer Lyrikers Hans-Ulrich Kaufmann, hier im voicing von ‚wf‘, vertont als Slow-Funk-Rap mit 70er-Originalinstrumenten von ‚Dirty Fingers‘

Hans-Ulrich Kaufmann/ wf

Published in: on Juni 26, 2008 at 12:10  Comments (2)  
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Nach dem Flirt

Was machst du jetzt wohl?
Liegst vielleicht wie ich
noch wach / fandst den Abend
ganz nett – oder mehr?
Leicht angeheitert
wachträumst du von mir…

: verliebt! – oder doch
nur etwas wärmer als kühl?
Nur ein Abend lang
reizendes Spiel?

Dein Lächeln jedenfalls –
Ach! Was bild‘ ich mir ein!
Es war wohl nicht mehr
als freundlich und allgemein
und nur aus Eitelkeit,
dieser Angst,
austauschbar zu sein,
träum ich dich in mich hinein
als hättest du wirklich
mit jenem Lächeln
nur mich gemeint

wf

Published in: on Februar 5, 2008 at 12:55  Comments (2)  
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Eine Weihnachtsgeschichte

Als das Junkiegirl gegangen war, blickte Clement, immer noch nackt, ihr aus dem Fenster nach, bis sie um die Ecke bog. Er hatte ihr sein letztes Geld mitgegeben, ihr aber nicht gesagt, dass es das letzte Mal war. Es schneite noch immer.
Ein zufälliges, aber passendes Geschenk, dachte Clement, es wird den Effekt steigern. Die Reflexion der Schneedecke erhöhte die feierliche Wirkung der Straßen- und Weihnachtsbeleuchtung.
Clement las ein letztes Mal die ausgedruckte e-mail von „webmaster@lonelygays.net“ mit der Einladung zur Silvesterparty. Er lächelte über die Waschweibervertraulichkeit des Tonfalls. Vom Bildschirm grinste ihn Harrys Screensavermakellosigkeit an, als ob nichts geschehen wäre.
Er hätte Harry das Verhältnis mit dem Mädchen nicht gestehen dürfen und eine andere Erklärung für seinen positiven Befund erfinden müssen. Die Liebe hat ein Recht auf Lüge. Clement wußte, dass Harry ihm nie so recht vertraut und regelrecht darauf gewartet hatte, reale Gründe für seine Eifersucht zu finden.
Reue macht Fehler höchstens schlimmer, dachte Clement, als er in die offene Klappe des alten Holzofens auf die jetzt schnell verbrennende Mail starrte. Er fütterte das Feuer weiter mit Briefen und Dokumenten aus den neben dem Ofen gestapelten Ordnern, trank langsam eine zweite Flasche Chianti dazu und wunderte sich, dass er nicht nervöser war.
Er spürte eher ein wohliges Gefühl der Genugtuung bei der Vorstellung, wie morgen früh all die braven Kirchgänger seinen nackten Arsch und seinen Pimmel würden sehen können. Vielleicht käme er sogar mit einem Foto in die Zeitung, als weihnachtliche Wichsvorlage für schmuddelig-geile Bürgerträume.
Als die Ordner leer waren, kramte Clement noch die restlichen Beweise seiner Existenz aus den Schubladen. Kontoauszüge, Personalpapiere, ein paar Fotos – die Flammen schmeichelten ihm ihre freundliche Hilfestellung mit leisem Knistern.
Nachdem das letzte Dokument zu Asche geworden war, setzte sich Clement an den Rechner und überlegte kurz, ob er im Forum noch eine Nachricht hinterlassen sollte. Nein, die hatten kein Anrecht, sich in schlechtem Gewissen oder seichter Mitleidigkeit zu suhlen. Er war aus der Vergangenheit des realen Sein in die fiktive Cyberwelt eingetreten und würde sie in die Zukunft des realen Nichtsein wieder verlassen. Clement klickte auf das Programm zur Neuformatierung der Festplatte.

Im Schlafzimmer schüttelte Clement noch sein Bett auf, dass es wie unberührt erschien, zog den Bademantel an, den er mit einem langen Ledergürtel um seine Hüfte schnürte, nahm Harrys Weihnachtsgeschenk, eine rote Nikolausmütze, von der Garderobe und verließ barfuß das Haus.
Er hatte keinen weiten Weg in den Frühstunden dieses Feiertages, ging aufrecht und gemessenen Schritts an den weihnachtlich dekorierten Geschäftsauslagen vorbei, warf seinen Schlüsselbund durch die Ritzen eines Kanaldeckels, er fror nicht. Die elektrischen Kerzen des großen Christbaumes vor der Kirche waren noch eingeschaltet; er hatte es vermutet.
Clement hängte den Bademantel, vom Kircheneingang aus sichtbar, an einen der unteren Zweige und setzte sich die Mütze auf. Er hatte etwas Mühe, durch das auf seiner nackten Haut stachelnde Astwerk nach oben zu klettern und einen geeigneten Platz zu finden. Dann knotete er den Gürtel erst an einen festen, direkt ober ihm aus dem Stamm ragenden Ast und dann so genau und entschlossen, als bände er sich die Schnürsenkel, um seinen Hals und ließ sich fallen.
Ohne Absicht löste er dabei von den romantisch beflockten Zweigen eine kleine Schneelawine ab, die den Bademantel fast gänzlich bedeckte.

wf

– auch im ebook „Von Küssen & Musen“

ausbrechen

Mein müder Gang im Rund der Stäbe
jäh unterbrochen an der offenen Tür;
der Panther in mir knurrt: ich lebe
noch! – im Sprung verblasst
das Bild von dir

wf

Published in: on Dezember 4, 2007 at 1:24  Comments (1)  
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sinn-liches

Liebe ist manchmal auch Sinnlichkeit, immer aber die selbstverständliche, unhinterfragbare Anwesenheit von Sinn.

wf

Published in: on November 28, 2007 at 2:11  Comments (1)  
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